Arbeitsgemeinschaft Urgeschichte Lüneburg
Der Kalkberg

Einer von vier Kernen Lüneburgs:
MONS - Der Kalkberg

Vorbemerkung

Einige Lüneburger Fundstellen

 
Den Anfangspunkt der Beschäftigung mit "Altertümern" vom Kalkberg bildet ohne Zweifel die sog. Lunasäule, die heute im Museum für das Fürstentum Lüneburg ausgestellt ist.

In Lüneburgs Chronistik spielt dieser "archäologischer Fund" eine große Rolle, der im Mittelalter bis weit in die Neuzeit hinein sogar mit den beiden historischen Persönlichkeiten Julius Cäsar und Karl dem Großen in Verbindung gebracht wurde (n. K. Alpers). Es handelt sich um eine 2,61 m hohe Säule aus Marmor.

Der Legende nach soll sie sich in der Burg auf dem Kalkberg befunden haben; eine frühe Darstellung auf der mittelalterlichen Ebstorfer Weltkarte bestätigt dies. Karl der Große soll dann dort an der gleichen Stelle das Michaeliskloster gegründet haben; ein Datierungsansatz, der allerdings mindestens ein Jahrhundert zu früh angesetzt ist.

Der Lüneburger Kalkberg in der Frühzeit, wie ihn sich A. Brebbermann vorstellte.

Somit war die Lunasäule für Lüneburg also weniger ein "archäologischer Fund" im eigentlichen Sinne als vielmehr ein "handgreifliches Symbol seiner durch Julius Cäsar gestifteten römischen Vergangenheit" der Stadt Lüneburg. Sie war zudem Ausdruck einer Hinwendung zur Antike, wie sie für den spätmittelalterlichen Humanismus kenzeichnend war.

Ab dem 14. Jahrhundert dann, dem Zeitalter der Auseinandersetzungen der Städte mit ihren Landesherren, ging man zunehmend zur Gegenwartschronistik über.
Erst im 18. Jahrhundert beschäftigte man sich wieder intensiver mit der Geschichte des Kalkberges.

Zwischen 1786 und 1798 fertigte Ludwig Albrecht Gebhardi den 10. Band der "Collectanea - Auszüge und Abschriften, welche das Herzogtum Lüneburg betreffen" an, von der sich eine Kopie in der Lüneburger Ratsbücherei befindet. Aus dieser umfangreichen Sammlung von Dokumenten geht hervor, daß er sich mehrfach mit dem Kalkberg befaßt hat.

Auch der Ort Bardowick rückte verstärkt in das Blickfeld der regionalen Geschichtsschreibung. Wie bereits im Falle Lüneburgs gesehen, sind auch hier einige Legenden festzuhalten, die sich mit dem sagenhaften Ursprung dieses Ortes befassen. Sie wurden jedoch schon im 18. Jahrhundert von dem Lüneburger Zöllner und Geschichtsschreiber Urban Friedrich Christoph Manecke kritisch betrachtet:

"Die Angabe, daß Egist, einer von den 70 Jüngern Jesu, in Gesellschaft eines andern, Marian, das Evangelium allhier gepredigt, eine Kirche gestiftet, ja ein Bistum angerichtet haben solle, ist gewiß nichts mehr als eine Fabel. Und das Dafürhalten, daß K. Karl das Bistum Verden allhier gegründet, nachmals aber nach Verden verlegt und darauf der Sächsische Heerführer Wittekind hier ein Brüdercolleg 790 gestiftet habe, steht durch keinen einzigen Schriftsteller, noch weniger durch eine Urkunde zu erweisen".

Weitaus langlebiger war hingegen die These, Bardowick sei ein "Hauptort" der Langobarden gewesen - die weitaus wohl begründetere Auffassung, den Ortsnamen auf das bereits eingangs genannte Grafengeschlecht der Bardonen zurückzuführen, gewinnt erst in jüngster Zeit wieder zunehmend an Gewicht.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die später in allen heimatkundlichen Schriften verbreitete Auffassung, Bardowick leite seinen Namen von den Langobarden her, jedoch noch keinesfalls zum Durchbruch gelangt.

Es war der Bardowicker Chronist Schlöbcken, der sich 1704 als erster eindeutig für eine Gleichsetzung Bardowicks mit dem Stamm der Langobarden aussprach. Seine Äußerungen seien aus diesem Grunde hier in voller Länge zitiert:

"§ 24. Sehr glaublich wird auch gehalten / daß von eben diesen Börden / die von den Römern also genannte Longobardi ihren Nahmen empfangen / und dieselbe bey den Teutschen eigentlich die Lange-Börder genennet worden. Es hat zwar Paulus Diaconus, der selbst ein Longobardus gewesen / geschrieben / daß seine Landes-Leute uhrsprünglich aus Scandinavia, über Scoringiam, Mauringiam und Rugiam in Deutschland gekommen; worinn ihm Crantzius, Lazius und noch einige folgen. Es wird aber solches von andern nicht unbillig für unbegründet gehalten. Doch sei dem / wie ihm wolle / so ist dieses gewiß / daß die Longobardi, so bald ihrer gedacht wird / unter die Elb-werts gesessene Teutsche gezählet werden... . Und hierin stimmen auch viele vornehme neue Scribenten überein.". Bei seinen Ausführungen stützte sich Schlöbcken vor allem auf antike Schriftsteller und auch die erste namentliche Erwähnung Bardowicks in den fränkischen Reichsannalen vom Ende des 8. Jahrhunderts waren ihm bekannt. Auf den ersten Blick recht abenteuerlich erscheinen nur seine Schlußfolgerungen; etwa, wenn er das Alter Bardowicks höher als das der Städte Rom und jünger (!) als Trier ansetzte.

Interessant sind hier weniger die Angaben zur Gründung Bardowicks (auch Schlöbcken wußte bereits, "... daß die Mönche / wenn sie eine Stadt oder alte Geschicht nicht ergründen können / nach ihrem Gutdüncken ein Gedicht davon gemachet / und sich großer Freyheit zu fabuliren gebrauchet.", sondern Schlöbckens Verwurzelung in der Geschichtsauffassung seiner Zeit.

Auf dem Kalkberg hingegen ist bis dato kein Fund bekannt geworden, der eindeutig in die 'langobardische Zeit', in die Zeit um Christi Geburt also, datiert werden kann. Zwar wird von einem Urnenfund am Fuße des Kalkberges berichtet; Hinweise auf dessen genaue Datierung werden jedoch nicht gegeben. Allein in der um das Jahr 1800 zusammengetragenen Sammlung des Lüneburger Kaufmannes Rüdemann befanden sich einige langobardische Urnen (u. a. auch vom Lüneburger Zeltberg), von denen einige unweit des Kalkberges, beim Mönchsgarten, gefunden worden sein sollen. Sie datieren in die Völkerwanderungszeit (4./5. Jh. n. Chr.).

Sonst sind nur auf dem Zeltberg, in Lüneburg-Oedeme und bei Lüneburg-Ochtmissen Gräberfelder dieser Zeitstellung in Lüneburg belegbar; in Ochtmissen ferner sogar ein Körpergräberfeld und Siedlungsbefunde aus dieser Zeit.

Aus dem frühen Mittelalter sind ebenfalls nur wenige Hinweise auf archäologische Funde zu vermelden; lediglich am Fuße des Kalkberges fand man bei der Ausgrabung des 1371 dorthin verlegten Michaelisklosters drei Scherben dieser Epoche (Ring, E.: Archäologische Erkenntnisse zu den präurbanen Siedlungskernen Lüneburgs, in: Lüneburger Blätter 30, 1998, S. 55 - 60; weitere frühmittelalterliche Funde stammen von den Grabungen in der Kalandstraße unweit St. Johannis (Grabung A. Dehn), von der Grabung Baumstraße (Stadtarchäologie: J. Stark) und von der Grabung der St. Lambertikirche (Stadtarchäologie: J. Stark / M. Kühlborn).

Umstritten ist die ferner die Gleichsetzung des für das 9. Jahrhundert belegten Ortes Grimoldeshagen mit der Burgsiedlung 'Im Grimm' am Fuße des Kalkberges.

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