Lüneburg - Chronik
4. Blütezeit (1371 - 1637)

1381
Lüneburg schließt sich dem wendischen Münzverein der hansischen Seestädte an,
was einem Eintritt in den Hansebund gleichkommt.

1382
Die Prämonstratenser lassen sich in Lüneburg nieder
(Am Berge, Kloster Heiligental)

1383
Erste Wasserleitung im Stadtgebiet.
Der Mönchsbrunnen wird von den Prämonstratensern angelegt.

1387
Erste Erwähnung der Schützenkompanie

1388
Reitende Diener (Stadtsoldaten) zum ersten Mal genannt

1390 - 1395
Schaffung der für den Lüneburger Salzhandel wichtigen "Stecknitzfahrt".
Wasserweg zwischen Lübeck und Elbe.

Karte
Karte mit "Stecknitzfahrt"
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1392
Die Sate (Satzung/Vertrag), ein Landfriedensbündnis der Herzöge und Stände des Fürstentums Lüneburg. Der Stadt Lüneburg werden das Straßenzwangsrecht und das Stapelrecht verbrieft. Der Kalkberg wird städtisches Eigentum

1400 - 1434
Ausbau der Städtebefestigung (Tor- und Turmanlagen). Errichtung der alten Landwehr (1397 ff.), die dann (1479 - 1483) durch die neue Landwehr ergänzt und erweitert worden ist.

1401
Ratsbeschluß zur Herausgabe eines Stadtgesetzbuches (Donat)
Auf Anordnung des Papstes soll Lüneburg Bischofssitz werden. Der Rat zeigt wenig Interesse und hintertreibt das Projekt; demzufolge Rücknahme des päpstlichen Ediktes.

15.09.1406
Gründung des Johanneums
Lüneburg wird nach langjährigem Streit mit dem Michaeliskloster, das ursprünglich das Schulmonopol besitzt, das Recht der Errichtung einer dem Rate unterstehenden Lateinschule zugebilligt.

1409
Erste Weihe der Nicolaikapelle, (Patron: der Rat von Lüneburg)

1412 - 1430
Verhandlungen und Verträge Lüneburgs mit dem mecklenburger Fürsten zur Schaffung einer zweiten Verbindung (von Boizenburg nach Wismar) zwischen Elbe und Ostsee.
Vertrag 1430 über die Schaalfahrt (Schaalsee-Sude-Elbe). Bedeutsame Wasserstraße für Lüneburgs Salzhandel und für seine Holzzufuhr.

1426 - 1435
Krieg der Hanse gegen Dänemark
1426 erklärt Lüneburg an der Seite Lübecks König Erich von Dänemark den Krieg und wird nach erfolgreicher Beendigung des Krieges (1435) vom Sundzoll befreit.

1433
Schloß Winsen (Luhe), Zweitwohnsitz der herzoglichen Familie, wird an Lüneburg verpfändet.

Stadtmarke: Marktviertel Stadtmarke: Salzviertel

Stadtmarke: Wasserviertel Stadtmarke: Sandviertel
Die vier Lüneburger Stadtmarken

1440
Erstmalige Erwähnung der vier Lüneburger Stadtviertel
1.Marktviertel, 2.Salzviertel, 3.Wasserviertel, 4.Sandviertel

1443
Fertigstellung der gesamten Stadtbefestigung mit Wall, Mauer und Graben

1445
Infolge der gewaltigen Ausgaben (seit 1370 (Erbfolgekrieg, weitere Kriege, Rüstung Befestigung, Verschaffung oder Bestätigung von Privilegien usw.) ist trotz wiederholter Besteuerung und mehrfacher Hilfsaktionen der Sülzbegüterten die Verschuldung Lüneburgs auf die erdrückende Summe von über 500.000 Mark angewachsen.

1445 - 1462
Der Prälatenkrieg
Eine zeitweise das gesamte Gemeinwesen gefährdende, schwere Finanz- und Wirtschaftskrise.
Eine Anzahl von Sülzbegüterten (Sülzprälaten), namentlich von geistlichen Teilhabern (Kirchen, Klöster, Stifte) verweigert den vom Lüneburger Rat in Höhe von 50% der Salineneinkünfte für 10 Jahre damals geforderten Beitrag zur Entschuldung der nahezu zahlungsunfähigen Stadt. Papst und Kaiser greifen ein. Lüneburg wird (1453) gebannt und danach geächtet. Die Auseinandersetzung nimmt nun einen ausgesprochen politischen, fast revolutionären Charakter an:
Nach Bildung eines Sechzigerausschusses wird der alte Rat gewaltsam durch einen neuen ersetzt (1454), kehrt aber nach 2 Jahren wieder in seine Stellung zurück und setzt, nachdem es auf beiden Seiten Verfolgungen und Todesopfer gegeben hat, im Vertrag von Reinfeld (18.12.1462) seine Forderung durch. Darauf erfolgt die Aufhebung des Banns und 1471 der Reichsacht.

1462 - 1530
Höhepunkt der Blüte Lüneburgs nach dem Prälatenkrieg
Bevölkerungsanzahl: ca. 14.000
Unabhängig von den Landesherren erlangt Lüneburg internationale Geltung. Es tätigt selbständige Bündnispolitik, ist führend unter den sächsischen Städten und hat eine bedeutende Stellung in der Hanse.
Festigung der aristokratischen Ratsverfassung, lebhafter Handel (nach Skandinavien, nach Osten bis nach Schlesien und Rußland nach Westen bis Burgund. Lüneburgs Reichtum wächst in dieser Zeit (Ratssilberschatz ist 1476 schon beträchtlich).
Zahlreiche eindrucksvolle Baudenkmäler wie Wohnhäuser mit Giebelfassaden der Patrizier, Erweiterungen des Rathauses, Zeug(Glocken)haus,etc.

1493
Der Tiergarten geht aus herzoglichem Besitz an das Stift zum Gr.-Hl.-Geist über.

1525 -1534
Die Reformation

Der Rat, zuerst ablehnend, dann hinhaltend, fügt sich nach bedenklichen Unruhen der 1529 gestellten Forderung der schnell zunehmenden evangelischen Partei nach Durchführung der Reformation.
1529: Herzog Ernst unterzeichnet mit anderen Reichsfürsten die Protestation von Speyer gegen das Wormser Edikt.
1530: Erster reformatorischer Gottesdienst in St. Nicolai

1531: Schul- und Kirchenreform des Urbanus Rhegius

Urbanus Rhegius
Urbanus Rhegius

19.03.1562
Vertrag zwischen den Herzögen Heinrich und Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg und der Stadt Lüneburg. Der Stadt kostet dies insgesamt 85.000 Taler und beschneidet dabei die städtischen Privilegien und drängt den Machtbereich der Stadt fühlbar zurück.

Große Ratsstube
Die Große Ratsstube im Rathaus Lüneburg

1569
Bau und reiche Ausgestaltung der Großen Ratsstube (weltberühmte Schnitzereien Alberts v. Soest, Wandbilder Daniel Freses)

Freiheit der (bisher teilweise von Lüneburg kontrollierten) Elbschiffahrt durch Verfügung des Kaisers
(Der wirtschaftliche Abstieg Lüneburgs wird offenbar durch hohe Verschuldung, Konkurrenz im Salzabsatz)

1576
Herzögliche Vogtei in Lüneburg geht endgültig in das Eigentum der Stadt über

1593 - 1619
Lüneburg, in zeitweise scharfem Konflikt mit der Landesherrschaft liegend, stark verschuldet (finanzielle Verpflichtungen aus diversen Verträgen und gleichzeitigem Stocken des Salzhandels), wird Schauplatz schwerer innerer Unruhen:

Die gegen den Rat aufbegehrende Bürgerschaft unter Führung des aus persönlichen Gründen rebellierenden Patriziersohnes Franz Töbing wendet sich (Januar 1619) mit einer schriftlichen Beschwerde über die ordnungswidrige Finanzverwaltung und aristokratische Cliquenwirtschaft des Rates an Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg, der am 13.03.1619 in einem "Vergleich" den Rat verpflichtet, künftig 5 Bürger aufzunehmen und vor einem Ausschuß von 6 Personen jährlich Rechnung zu legen.

Stadtansicht um 1598
Stadtansicht, Kupferstich um 1598
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Fünf Vertreter der Brauer und Kagelbrüder (Heringskaufleute) ziehen in den Rat ein.
Durch diesen fürstlichen Machtspruch büßt Lüneburg nicht nur seine ausschließlich patrizische Ratsverfassung ein, sondern sieht sich auch erstmalig wie eine "gemeine"Landstadt behandelt.
(Zunehmender Verfall des Salzhandels (Konkurrenz, Niedergang der Hanse, Veralterung des Sülzbetriebes.

1623 - 1629
Lüneburg wird in den dreißigjährigen Krieg hineingezogen. Aufrüstung Lüneburgs.
Beunruhigung der Umgebung durch Truppen.
Pestepidemien (1624, 1625, 1626-1627)
starke Schädigung der Saline (Handelssperre, Überflutung der Sülze, zeitweilige Betriebseinstellung, Brennholzmangel.
Die Stadt beginnt zu verarmen.
28.05.1629: Sonderfriede zwischen dem Kaiser und dem über den niedersächsischen Kreis eingefallenen Dänenkönig.

1630 - 1635
Nach Eingreifen Gustav Adolfs bemüht sich Lüneburg unter großen Geldopfern um Wahrung der Neutralität, muß aber den Schweden nachgeben und wird schließlich

14.08.1636
vom schwedischen Marschall Banér zur Kapitulation gezwungen; Besetzung des Kalkberges durch schwedische Truppen, neue Kontributionen und Nahrungsmittellieferungen der Stadt (Verkauf eines Teils des Ratssilberschatzes)

03.09.1637
Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg rückt mit seinen Truppen in Lüneburg ein.
Abzug der in der Flanke und im Rücken bedrohten Schweden.
Ersetzung des Rates auf herzoglichen Befehl durch einen neuen demokratischen Rat.

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