Lüneburg - Chronik
6. Lüneburg im Aufschwung (ca.1815 bis 2. Weltkrieg)
11.11.1814
Das Kurfürstentum Hannover wird Königreich
 
Carl Heinrich Oltrogge, Vorsteher der Töchterschule
Carl Heinrich Oltrogge
Vorsteher der Töchterschule
1816
Stadtsuperintendent Christiani eröffnet eine Bürgerschule und eine Freischule (Volksschule)

1816
Die Stadt erhält während der Wintermonate Straßenbeleuchtung (Öllampen)

1822
Errichtung eines Theater- und Konzertsaals von C. Kaulitz

1823
Lüneburg wird Sitz einer Landdrostei (Vorgängerinstitut der Bezirksrgierung)

1831
Carl Oltrogge gründet eine private höhere Mädchenschule, die 1875 von der Stadt übernommen wird.

1831
Eine Deputation der Lüneburger Bürgerschaft übergibt im Schloß Hannover eine Petition wegen der Änderung der Stadtverfassung und wegen Aufhebung der Zensur.

1846
Lüneburg erhält eine kommunale Verfassung. Beseitigt letzte Reste patrizischer Vorrechte.
Die neue Stadtverfassungsurkunde vereinfacht die Verwaltung.

11.05.1847
Die Bahnstrecke Lehrte-Celle-Uelzen-Lüneburg-Harburg wird eröffnet, Der Bahnhof 1848 vollendet.
Dadurch schwindet das auf wesentlich auf dem jetzt aufgehobenen alten Stapelrecht beruhende, einst blühende Speditionswesen Lüneburg. (1840 bestehen 34 Spediteure)

1848
Der Männerturnverein (MTV) und der Arbeiterbildungsverein werden gegründet

Bahnhof Lüneburg um 1900
Bahnhof Lüneburg um 1900

1848 - 1850
Die Bürgerrevolution verläuft in Lüneburg anfänglich erregt, aber ohne Gewalttätigkeit (Bürgerverein, Arbeiterbildungsverein, Bürgerwehr; Lüneburger Vorwärts, Organ der einen politischen Wandel fordernden Kreise, von Juni 1848 bis Ende März 1850)

1855 - 1859
Auf dem Gelände der Saline werden größere Neu- und Umbauten vorgenommen. Bei der Saline entsteht eine chemische Fabrik.

1857
Die katholische Marienkirche wird vollendet.

1863
Inbetriebnahme der Eisenbahn Lüneburg - Lauenburg, Bau eines Güterbahnhofs
Die Künstdünger und Lederleimfabrik A.Brauer wird gegründet

1866
Das Königreich Hannover wird preußische Provinz.
Kaufleute und Industrielle schließen sich zu einer Industrie- und Handelskammer zusammen.
Die Wallstr. wird planmäßig mit 13 Häusern bebaut.

Zuschüttung des Lösegrabens
Zuschüttung des Lösegrabens

1871
Gründung der Gemeinnützigen Baugesellschaft.
Rege Bautätigkeit in Lüneburg

1874
Aufnahme der Bahnverbindung Buchholz-Lüneburg-Dannenberg-Wittenberge
Vollendung der für die neue Bahnlinie erforderlichen Anlagen:
Abtragung der drei mit 700 Bäumen bestandenen Ostwälle.
Zuschüttung des alten Lösegrabens
Errichtung eines neuen Bahnhofes (westl. des Staatsbahnhofes)

1875
Anfänge der Vorstadt vor dem Roten Tore auf dem bisher als Gartenland und Weide benutzten Gelände

1894
Nach dem Bau der Synagoge (am Schifferwall), wird sie von der jüdischen Gemeinde eingeweiht.
Es entstehen zahlreiche Privathäuser in der Vorstadt vor dem Roten Tore und insbesondere Bleckeder Landstr., Bardowicker Tore, Frommestr.
(Immer größere Erweiterung der Stadt über die ehemalige Begrenzung (Stadtmauern) hinaus
Lüneburg hat 1895 22.309 Einwohner

1897
Errichtung der städt. Abfuhranstalt (1897-1899) Einführung des "Kübelsystems" (bis 1981)

1899
Die Ratswasserkunst und Abtswasserkunst geht an die Stadt, die Wasserwerke werden mit den Gaswerken (seit 1888 städtisch) gemeinsam verwaltet

1907
Eröffnung des Kurzentrums, bestehend aus Badehaus, Kurhaus, Trinkhalle und Gradierwerk
Weiterhin rege Bautätigkeit
Einwohnerzahl 1914: 27.790

Kurzentrum Lüneburg um 1900
Kurzentrum Lüneburg um 1900

1907
Aufgrund von Cholera- und Typhusepidemien werden in der Gründerzeit bis zum Ersten Weltkrieg im gesamten Deutschen Reich Wassertürme gebaut, um der Bevölkerung sauberes Trinkwasser zu garantieren. In Lüneburg wird am 12.11.1907 der neue Wasserturm eröffnet, der ein vollständiges Wasserwerk beherbergt. Durch den Wasserturm erhalten die Lüneburger eine Trinkwasserversorgung, die den modernen technischen und hygienischen Anforderungen entspricht.

1913
Eröffnung der Heidebahn Lüneburg-Soltau

1914 - 1918
1. Weltkrieg - Zur Linderung der Notstäde setzen sich das Rote Kreuz, die Vereine und Wohlfahrtsverbände und die Freiwillige Kriegshilfe ein. 18.000 M Goldmark werden "an einem Tage" (August 1914) an die Reichsbank geliefert.
Die Bürgerschaft beteiligt sich an den neuen Kriegsanleihen.
308 ehemalige Schüler des Johanneums und 108 Angehörige des Dranonerregiments Nr. 16 fallen im Krieg.

1918
Am 08.11. nimmt nach amtlicher Bekanntmachung im Kreisblatt der Arbeiter- und Soldatenrat den größten Teil der politischen Macht in die Hand.
Die Revolution geht in Lüneburg ohne heftigen Tumult vor sich.
Der Übergang vom Kaiserreich zur Republik vollzieht sich störungsfrei

1919
Bei der Wahl zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung (Wahlbeteiligung 89%), erhält die Sozialdemokratische Partei die meisten Stimmen (52,4%), Frauen sind erstmals wahlberechtigt.
Bei den Kommunalwahlen in Lüneburg entsenden die Sozialdemokraten 20, die bürgerlichen Parteien 16 Vertreter
Übergang des Sol- und Moorbades in den Besitz der Stadt
Einwohnerzahlt: 24.560

1923
Die Saline wird Aktiengesellschaft (Die Aktienmehrheit liegt im Besitz der Stadt)

1924 - 1929
Es entstehen weiterhin viele Neubauten, Einwohnerzahl 1924: 29.252
Bei den Reichstagswahlen dieser Jahre bleibt die SPD in Lüneburg mit über 30% der abgegebenen Stimmen stärkste Partei

1928
Das Sool- und Moorbad erlebt seinen konjunkturellen Höhepunkt mit 7822 Kurgästen.

1932
In den beiden Reichspräsidentenwahlen erringt v. Hindenburg in der Stadt die absolute Mehrheit (13.03. und 05.04)
In der preußischen Landtagswahl wird die NSDAP erstmals in Lüneburg stärkste Partei (36,5%), ebenso bei den Reichstagswahlen am 31.07. (39,5%)
Es wird ein freiwilliger Arbeitsdienst gegründet
Die Stadt plant die Anlage von Stadtrandsiedlungen für kinderreiche Familien

1933
Bei den Reichstagswahlen am 05.03. erhält die NSDAP in Lüneburg-Stadt 44,2% und im Landkreis Lüneburg 54,2% (im gesamten Reich 43,9%)
Bei den Kommunalwahlen erreichen NSDAP/DNVP im Rat die absolute Mehrheit
Am 28.03 ruft die NSDAP zum Boykott jüdischer Geschäfte auf.
Lüneburg hat eine Einwohnerzahl von 31.509

1934
Erste Materialverknappungen in Industrie und Handwerk als Folge der anlaufenden Aufrüstung

1935
Bau der Scharnhorstkasernen

1936
Bau der Schlieffenkaserne und des Amtsgerichts in der Bardowicker Str.

Synagoge Lüneburg
Synagoge Lüneburg

1937
Am 01.04. wird Lüneburg Hauptstadt des Gaues Osthannover.
Der Flughafen wird ausgebaut und mit einem Kampfgeschwader belegt.

1938
Die Synagoge wird zum Abbruch verkauft
09./10.11 Judenpogrom in Lüneburg

1943
Am 12./13.08 erfolgen erste Bombenangriffe im Grimm.
Nach der Bombardierung Hamburgs werden zahlreiche Familien in Lüneburg einquartiert.

1945
Am 31.01 wird der Volkssturmbatallion Luhmann in den Krieg geschickt und zum größten Teil zerschlagen.
Zwei schwere Luftangriffe auf den Bahnhof und Umgebung, 22.02. und 07.04.
Durch Sprengungen werden Straßen und Brücken zerstört (16./17.04)
Britische Truppen marschieren am 18.04. in Lüneburg ein.
Am 04.05 kapitulieren die deutschen Streitkräfte bei Deutsch Evern
Am 17.09 beginnt der Prozeß gegen die Lagerleitung des KZ Bergen-Belsen in der MTV-Turnhalle.
Wiederaufnahme des Schulunterrichts und des Briefverkehrs

[zurück zur Übersicht]     [weiter: Lüneburg ab 1945]