Ur- und Frühgeschichte
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Archäologie im Landkreis Lüneburg

Der Landkreis Lüneburg besitzt eine ganze Reihe von archäologischen Fundstellen aus allen Epochen der Vor- und Frühgeschichte.

Bereits aus der Altsteinzeit sind Funde bekannt.
So wurden beim Bau der Autobahn 250 bei Lüneburg-Ochtmissen über fünfzig Faustkeile gefunden, deren Herstellung bereits dem Neandertaler zuzuschreiben ist. Die genaue Datierung dieses Fundplatzes ist allerdings noch weitgehend offen; er soll zwischen 100.000 und 40.000 Jahre alt sein.

Erst das 3. vorchristliche Jahrtausend, die Jungsteinzeit also, hat in der Landschaft sichtbare archäologische Geländedenkmale hinterlassen. Innerhalb des Gebietes des heutigen Landkreises Lüneburg befinden sich noch eine ganze Reihe von Steingräbern aus dieser Epoche. Der Fundstellenreichtum der Lüneburger Region wurde von der ersten 'Altertumsforschern' bereits sehr früh erkannt.

Eine großen Anteil innerhalb der archäologischen Sammlung des Lüneburger Museums nehmen die Funde aus der Bronzezeit (ca. 1800 bis 900 v. Chr.) ein. Dies ist wenig erstaunlich, da in einem Bereich wie Lüneburg, wo vergleichsweise viele Grabhügel erhalten sind, deren Ausgrabung naturgemäß einen Schwerpunkt der hier tätigen Archäologen bildet. Nachdem bereits in der ausgehenden Bronzezeit ein Wandel von der Brand- zur Körperbestattung stattgefunden hatte, gehörten in der nachfolgenden Eisenzeit große Urnenfriedhöfe zum Erscheinungsbild dieser Epoche. In den dort Bestatteten werden die Vorfahren des elbgermanischen Stammes der Langobarden gesehen, die allerdings erst namentlich in historischen Quellen aus der Zeit um und deutlich nach Christi Geburt in Erscheinung treten.

Bei vielen der jüngerkaiserzeitlichen und völkerwanderungszeitlichen Urnenfriedhöfen handelt es sich um sog. Buckelgräberfelder, Urnenbestattungen, die von einem Kreisgraben umgeben und ursprünglich überhügelt waren. Wohl als "Import" einer fremden Grabsitte anzusprechen sind die bisher nur sehr vereinzelt auftretenden Beispiele von Körperbestattungen des 5. Jahrhunderts.

Gegen Ende des 6. Jahrhunderts beginnen die spätsächsischen Reihengräberfriedhöfe in der Region. Auch aus dem Gebiet des frühmittelalterlichen Ortes Bardowick, bereits 785 erstmalig erwähnt, existieren Funde, die in das ausgehende 8. Jahrhundert zu datieren sind.

Weitaus weniger Erkenntnisse stehen über die slawischen Gräberfelder des frühen Mittelalters aus dem östlichen Teil der heutigen Landkreise Lüneburg und Uelzen sowie des benachbarten Wendlandes zur Verfügung. Augenfällig ist dabei deren zeitliche Übereinstimmung mit dem durch historische Daten abgesicherten Zeitraum zwischen 804 und 817, innerhalb dessen Karl der Große seinen ehemaligen Verbündeten im Kampf gegen die Sachsen weite Landstriche am nordöstlichen Rand der neuerworbenen Gebiete zur Herrschaftsausübung überließ.

Bei der Betrachtung der urkundlichen Ersterwähnungen von Orten im nordostniedersächsischen Raum (dem Bardengau) fällt auf, daß bereits im 10. Jahrhundert und z. T. auch deutlich früher eine recht große Anzahl von Orten historisch belegbar ist. Unter den frühen Adelsfamilien, die im Verlauf des 9. Jahrhunderts das Kloster Corvey mit Schenkungen bedachten, fallen zunächst die Adelsgeschlechter der Bardonen und Egbertiner auf, die später von den Billungern abgelöst werden.

D. Gehrke M.A.

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