Forschungsgeschichte
Archäologie im Museum für das Fürstentum Lüneburg
 
"Bei seiner Gründung im Jahre 1878 übernahm der Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg die Sammlungen eines seit 1850 bestehenden Altertumsvereins, die aus dem Schulmuseum der Ritterakademie hervorgegangen waren, das seinerseits planmäßig aus der Zusammenführung älterer Kabinette von Gelehrten erwachsen war.
Damit bewahrt das Lüneburger Museum Altertümer, die nachweislich seit über 200 Jahren in musealer Obhut sind, und es reicht so in einer bemerkenswerten Tradition in eine Ära, da das Sammeln von Naturalien, von Kuriositäten und also insgesamt Raritäten zur Lebensumwelt der Gelehrten gehörte."
Museum für das Fürstentum Lüneburg

Mit diesen Worten umriß der frühere Direktor des Lüneburger Museums, Dr. Gerhard Körner, im Jahre 1965 die Anfänge einer Entwicklung, mit der auch die Geschichte der Archäologie in Lüneburg begann.

Bereits in der ersten Ausgabe der "Jahresberichte des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg" finden sich Hinweise auf Geschenke von Sammlern und auch der erste Ausgrabungsbericht von Carl Heintzel, einem Altertumsfreund, der später seine nach wissenschaftlichen Gesichtpunkten geordnete Sammlung "seinem" Museum vermachen sollte. Zu den ersten Ausgrabungen gehörte seine Grabung des Urnenfriedhofes von Boltersen in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts.

Seit dieser Zeit wurde die Bodendenkmalpflege im Lüneburgischen sowohl vom heutigen Landesmuseum in Hannover als auch vom Lüneburger Museum aus betrieben.

Leider war nicht allen archäologischen Sammlungen aus dem Lüneburgischen eine Heimat im Lüneburger Museumsmagazin vergönnt.

Die heimischen Funde - zumeist Einzelfunde -, die sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (ein kleiner Teil der Slg. v. Estorff) oder in Berlin (Schloß Charlottenburg) befinden, fallen zwar zahlenmäßig nicht ins Gewicht; zeigen jedoch was geschieht, wenn ein Sammler seinen Schätzen nicht bereits zu Lebzeiten einen dauerhaften Platz im örtlichen Museum sichert. So wurde z. B. die recht umfangreiche Kollektion des Lüneburgers Rudolf August Rüdemann, zusammengetragen gegen Ende des 18. Jahrhunderts, fern der Heimat in der Lehrsammlung der Universität Breslau "wiederentdeckt".

Doch zurück nach Lüneburg.
Nachdem die ersten Lüneburger Ausgräber Theodor Meyer, Christian Hostmann (Celle), Hans Müller-Brauel (Zeven) und der bereits genannte Carl Heintzel den Grundstein für die archäologische Denkmalpflege im Museum gelegt hatten, übernahm 1908 der erste "gelernte" Prähistoriker Michael Martin Lienau auf Empfehlung seines schwedischen Lehrers Oskar Montelius, des wohl angesehensten Gelehrten seiner Zeit, die vorgeschichtliche Abteilung.

Obwohl Lienau nur relativ kurz in Lüneburg tätig war (von 1908 bis 1913) zeugen eine Fülle von Ausgrabungen und Publikationen von der Schaffenskraft dieses Gelehrten. Für eine kurze Zwischenzeit übernahm nach dem Fortgang Lienaus der spätere Universitätsprofessor in Hamburg und Kiel, Gustav Schwantes, das Amt des Leiters der vorgeschichtlichen Abteilung.

Ihm folgte der Architekt Franz Krüger, der dies Amt bis l936 innehatte. Seine Verdienste um die heimische Archäologie würdigte die Universität Hamburg mit der Verleihung des Ehrendoktortitels. Nach dem Tode Krügers wurde Gerhard Körner Archäologe am Museum, später dessen Direktor. Zu Beginn der siebziger Jahre erreichte die Ausgrabungstätigkeit im Landkreis Lüneburg einen neuen Höhepunkt. Die Ausgrabungen von Friedrich Laux, zu denen z. B. die der Oldendorfer Totenstatt und das spätsächsische Gräberfeld von 0ldendorf/Luhe gehören, schlossen gravierende Forschungslücken in der Vor- und Frühgeschichte des Landkreises; ebenso die Grabungen des Instituts für Denkmalpflege (heute Landesamt in Hannover) bzw. der Bezirksarchäologie in Oedeme und Rullstorf. Seit 1991 hat auch die Stadt Lüneburg einen Stadtarchäologen.

D. Gehrke M.A.

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