Funde und Fundstätten
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Frühes Mittelalter
Fundstellen des 8./9. (/10.) Jahrhunderts:

Sächsische Gräberfelder


Sächsische / frühdeutsche Siedlungen:


Slawische Gräberfelder:

Der Erfolg der slawischen Besiedlung des heutigen Wendlandes wird seitens der archäologischen und historischen Forschung auf die Rolle der Slawen als Bundesgenossen der Franken in den Sachsenkriegen zwischen 772 - 804 zurückgeführt.

Anläßlich des Heerlagers bei Hollenstedt hatte Karl der Große nämlich den Obotritenführer Thrasco zum König erhoben und ihm die Herrschaft über die nordelbischen Sachsengaue und offensichtlich auch über einige südelbische Gebiete übertragen.
Nur so ist erklärbar, daß in den 805 im sog. 'Diedenhofener Kapitular' aufgeführten Grenzorten des unteren Elbegebietes neben Bardowick auch Schezla (= Scheeßel, heute Ldkr. Rotenburg (Wümme)) genannt wird.

Den guten Beziehungen zwischen Franken und Slawen war jedoch keine lange Dauer beschieden, da sich spätestens nach der Niederlage der Slawen gegen die Dänen im Jahre 808 die fränkische Reichspolitik wieder zu deren Ungunsten änderte.
Eine solche Änderung deutete sich bereits im Jahre 805 an, als im bereits genannten Diedenhofener Capitular der Handel mit Waffen in östlicher Richtung verboten wurde.
Dem Denunzianten einer solchen Lieferung wurde sogar 25 % des Wertes der beschlagnehmten Waffen zugestanden!

Über die Siedlungsweise der Slawen sind stehen noch weniger archäologische Befunde als über die der Sachsen zur Verfügung.
Keinesfalls ist - wie vor allem in der älteren heimatkundlichen Literatur gern behauptet - das sog. Rundlingsdorf die älteste slawische Siedlungsform in Nordostniedersachsen.

Lange Zeit wurde die Frage nach der Ausdehnung des slawischen Siedlungsgebietes in Nordostniedersachsen vor allem mit der Verbreitung dieser Dorfform, aber auch mit der den wendischen Ortsnamen und sogar mit angeblich vorhandenen phonetischen Relikten in der niederdeutschen Mundart der östlich der Ilmenau lebenden Menschen verknüpft.

Aus der Kombination dieser drei Forschungsrichtungen entwarf man für das Lüneburger Gebiet das Bild eines durch Burgwälle längs der Ilmenau geschützten sächsischen Grenzlandes.Grabungen im benachbarten Wendland haben jedoch ergeben, daß die ältesten slawischen Siedlungen keine Rundlinge, sondern wahrscheinlich Streusiedlungen waren.

Die Grenze des Vorkommens der Dorfform der Rundlinge stellt neueren Forschungen zufolge eben nicht nicht in erster Linie auch die Grenzen slawischer Besiedlung dar, sondern zeigt dem Historiker an, daß es sich hier um ein Gebiet handelt, in dem im Zuge des hochmittelalterlichen Landesausbaus Siedlungen planmäßig angelegt worden sind.
Daß dieser Landesausbau in den Gebieten östlich der Ilmenau allerdings maßgeblich unter Beteiligung der slawischen Bevölkerung stattfand, steht außer Frage.

Slawischen Ursprungs scheint allerdings - neben einigen weiteren benachbarten Fundstellen, beispielsweise die Dahlenburger Burg zu sein, wenngleich die historischen Quellen eher dürftig sind:
Im Falle der Dahlenburger Burg deutet lediglich eine spätmittelalterliche Sekundärquelle auf ein Bestehen dieser Burg bereits im 10. Jahrhundert.
Später war diese Anlage, ebenso wie die benachbarte Thomasburg, offensichtlich Mittelpunkt eines frühen adeligen Herrschaftsbereiches, wie ihn später auch die Adelsfamilie von Everingen auch im Raum um das spätere Deutsch Evern innehatte.

Die frühe Geschichte dieser Adelssitze läßt sich oftmals nur über die genealogischen Beziehungen der frühen Adelsfamilien der Region untereinander rekonstruieren.
Sie treten oftmals erstmalig in Schenkungen (Traditionen) an die Klöster Corvey und Fulda in Erscheinung (z. B. a. Barendorf!). Zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung Wendischs Evern im hohen Mittelalter war die Ilmenau allerdings schon seit Jahrhunderten kein Grenzfluß mehr!

D. Gehrke M.A.

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